Chef von Flock Safety fordert Kompromiss zwischen Sicherheit und Privatsphäre

Der CEO von Flock Safety, Garrett Langley, hat inmitten einer wachsenden Debatte über die Nutzung KI-gestützter Kennzeichenkameras einen Kompromiss zwischen Sicherheit und Privatsphäre gefordert. In einem Interview mit Fox News betonte Langley, die Darstellung des Problems als Wahl zwischen beidem sei irreführend.

Forderung nach Regulierung statt pauschalem Verbot

Langley argumentierte, ein Verbot der Technologie wäre nicht die richtige Antwort und verglich ein generelles Verbot mit dem Verbot von Fahrzeugen. Stattdessen nannte er gesetzliche Regelungen wie bei Trunkenheit im Verkehr oder Sicherheitsausstattung als sinnvollere Modelle. Er nannte konkret zwei Bereiche, in denen Regulierungen verbessert werden sollten: die Aufbewahrungsdauer von Daten und die Verantwortlichkeit bei Behördenmitarbeitern, die das System missbrauchen.

Flock hatte kürzlich seine eigene Empfehlung zur Datenaufbewahrung auf sieben Tage gesenkt, gegenüber einem strengeren staatlichen Grenzwert von 21 Tagen. Das Unternehmen forderte zudem, dass Audit-Maßnahmen ausgeweitet werden, um missbräuchliche Suchvorgänge aufzudecken.

Reaktionen aus Politik und Medien

Die Technologie hat parteiübergreifende Kritik ausgelöst. Senator Bernie Sanders kündigte an, Gesetzgebung gegen «AI mass surveillance» vorzubereiten, und Abgeordnete im Repräsentantenhaus haben ebenfalls Maßnahmen vorgeschlagen, die den Einsatz der Kameras durch Bundesbehörden beschränken würden. Auch Senator Josh Hawley hat eine separate Senatsanfrage gestartet.

«STOP FLOCK. STOP AI MASS SURVEILLANCE. Totalitarianism is when a government or another entity with overwhelming power seeks to know, control and influence everything you do, say and even think. I fear very much that if we don’t act aggressively, that is where we’re heading.…» — Sen. Bernie Sanders (@SenSanders) August 26, 2026

Medienrecherchen haben zusätzliche Kritik befeuert: Eine Untersuchung der Washington Post listete zahlreiche Fälle von Polizeibeamten, die Kennzeichensuchsysteme missbraucht haben sollen, und fand, dass viele Behörden keine regelmäßigen Prüfungen dieser Abfragen durchführten. In mehreren Fällen waren externe Beobachter — Opfer, Aktivisten oder Journalisten — die Ersten, die Auffälligkeiten entdeckten.

Technik, Audits und mögliche Schutzmechanismen

Sechs Tage vor der Veröffentlichung des Post-Artikels hatte Flock angekündigt, die Funktion «Audit Assistance» für alle Polizeikunden verpflichtend zu machen. Dieses Tool soll untypische Suchmuster erkennen; bislang hatten etwa ein Drittel der rund 7.000 Agenturen diese Option aktiviert.

Ein weiterer Bericht von WIRED wies zudem darauf hin, dass Flock an einem KI-Tool arbeitete, das Fahrende anhand von Bewegungsmustern identifizieren könne, ohne auf Nummernschilder oder Namen zurückzugreifen. Langley bestätigte die Kraft und die Gefährlichkeit von KI und forderte unabhängige Prüfungen für die Nutzung in der öffentlichen Sicherheit.

Flock selbst gibt an, die Kameras hätten im vergangenen Jahr bei über einer Million Ermittlungen unterstützt und bei der Auffindung von mehr als 10.000 vermissten Personen geholfen. Diese Zahlen stammen aus einer unternehmensinternen Befragung von rund 700 Behörden und werden von Flock als vorläufige Methodik zur Diskussion gestellt.

In der öffentlichen Debatte stehen damit technische Möglichkeiten, Transparenzpflichten und behördliche Verantwortung im Mittelpunkt: Welche Schutzmechanismen genügen, um Missbrauch zu verhindern, ohne den Nutzen für Fahndung und Vermisstensuche zu verlieren?

Wichtige offene Fragen für Gesetzgeber und Behörden sind unter anderem:

  • Wie lange dürfen Daten gespeichert werden, bevor sie gelöscht werden müssen?
  • Welche Audit- und Rechenschaftsmechanismen müssen verpflichtend werden?
  • Wie lassen sich unabhängige Prüfungen von KI-Systemen sicherstellen?
  • Welche Rolle spielt die Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit?

Die Debatte dürfte an Intensität zunehmen, da Politiker, Medien und Bürger gleichzeitig die Wirksamkeit der Technologie für die öffentliche Sicherheit und die Risiken für die Privatsphäre abwägen.