Die britische Regierung plant, das Mandat der Bank of England zu erweitern, um Innovationen im Bereich digitaler Zahlungen zu fördern. Im Zentrum dieses neuen Auftrags stehen auch Stablecoins und andere Formen digitaler Zahlungsmittel, während die finanzielle Stabilität weiterhin die oberste Priorität der Zentralbank bleibt.
Erweiterter Auftrag und rechtliche Umsetzung
HM Treasury kündigte an, dass die Bank of England als sekundäres Ziel die Unterstützung von Innovationen in Zahlungssystemen und bei aufkommenden Formen digitalen Geldes erhalten soll. Dieses Ziel soll durch Änderungen am Financial Services and Markets Bill umgesetzt werden, das in der House of Lords-Debatte am 7. und 9. September weiterverhandelt werden soll.
Die geplante Neuerung überträgt auf die BoE einen Ansatz, der bereits bei der Regulierung von Zentralgegenparteien (CCPs) und zentralen Wertpapierverwahrern (CSDs) verwendet wird. Teil der Regelung ist außerdem eine jährliche Berichterstattung der Zentralbank an das Parlament über die Fortschritte beim Innovationsziel für Zahlungen.
Regulatorischer Kontext und internationale Abstimmung
Die Initiative steht nicht isoliert: Großbritannien intensiviert seine Arbeit an Stablecoins durch regulatorische Anpassungen, Zahlungsexperimente und engere Abstimmung mit den USA. Mitte Juli veröffentlichten beide Regierungen eine gemeinsame Erklärung, in der sie erklärten, dass sie „die Nutzung von Stablecoins im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr ermöglichen wollen“ und eine stärkere Angleichung ihrer Regelwerke anstreben.
Parallel dazu hat die Bank of England praktische Experimente gestartet. Im August begann eine Gruppe im Digital Pound Lab der BoE zu testen, ob ein Stablecoin und ein simuliertes digitales Pfund in einem grenzüberschreitenden Handelszahlungs-Szenario zusammenarbeiten könnten; diese Plattform verwendet keine echten Kunden oder echtes Geld.
Wirtschaftliche Folgen und offene Branchenfragen
Wie stark das neue Mandat die tatsächliche Ausgestaltung von Stablecoin-Regeln beeinflusst, hängt unter anderem davon ab, wie die BoE ihre jährliche Berichtspflicht nutzt. Branchenvertreter weisen darauf hin, dass bestimmte Vorgaben, etwa zu Reservespaltungen bei systemischen Stablecoin-Emittenten, kommerzielle Geschäftsmodelle erheblich berühren können.
Maksym Sakharov, Co‑Founder und CEO eines Anbieters von On‑Chain‑Bankeninfrastruktur, wies darauf hin, dass das Innovationsziel „sekundär zur finanziellen Stabilität“ sei, die „nichts außer Kraft setze“, und dass die jährliche Berichterstattung die öffentliche Prüfung der Regelungen verschärfen könne. Er nannte als Beispiel bestehende Vorgaben, nach denen systemische Emittenten mindestens 30% ihrer Deckungswerte in nicht verzinslichen Zentralbankeinlagen halten sollen, und bezeichnete die Aufteilung der Reserven als eine zentrale Frage für die kommerzielle Tragfähigkeit.
Die Regierung hat bereits zuvor Anpassungen bei Limits für Stablecoin‑Halter vorgenommen und ein temporäres Ausgabelimit von 40 Milliarden Pfund pro systemischem Stablecoin eingeführt, nachdem ursprünglich niedrigere individuelle Haltegrenzen vorgesehen waren.
- Neues sekundäres Mandat: Förderung von Zahlungsinnovationen inkl. Stablecoins
- Primärziel bleibt: finanzielle Stabilität
- Umsetzung geplant über Änderungen am Financial Services and Markets Bill
- Jährliche Berichterstattung der BoE an das Parlament
- Internationale Abstimmung mit den USA und laufende Zahlungsexperimente
Die geplante Mandatserweiterung signalisiert, dass Großbritannien einen aktiveren Kurs bei der Integration digitaler Zahlungsmittel in das Finanzsystem verfolgen will, zugleich aber die Risiken für das Finanzsystem klar priorisiert. Ob und wie schnell dies zu marktfähigen Rahmenbedingungen für Stablecoins führt, hängt nun von der Ausgestaltung der Regeln und der praktischen Umsetzung durch die Bank of England ab.








