Die südkoreanische Kryptobörse Bithumb hat vor dem Seoul Central District Court einen weiteren Teilsieg in einer Klage um eine massive Fehgutschrift errungen. Gerichtlich wurde einem Kunden die Rückgabe von rund 140.400 US-Dollar (194 Millionen Won) zugesprochen, nachdem dieser Erlöse aus dem Verkauf versehentlich gutgeschriebener Bitcoin erhalten hatte.
Hintergrund des Fehlers
Der Vorfall geht auf eine Fehleingabe während einer sogenannten Random-Box-Aktion zurück, bei der ein Mitarbeiter Bitcoin statt Koreanischer Won eingetragen hat. Infolge dieser Verwechslung zeigten interne Konten insgesamt rund 620.000 BTC auf hunderten Konten an – ein Betrag, der weit über den tatsächlichen Beständen der Börse lag.
Bithumb verfügte zum Zeitpunkt des Fehlers über etwa 40.000 BTC tatsächliche Bestände. Der Handel lief etwa 40 Minuten weiter, wobei circa 1.788 BTC in das Orderbuch gelangten, bevor die Börse den Handel stoppte.
Gerichtliche Entscheidungen und Forderungen
Das Gericht entschied, dass die Erlöse aus den Verkäufen als ungerechtfertigte Bereicherung zu werten seien und zurückzuzahlen seien. Die aktuelle Entscheidung betrifft das Bargeld aus dem Verkauf, nicht notwendigerweise Bitcoin-Bestände, die einzelne Kunden noch halten könnten.
Bithumb hatte die Forderung im März eingereicht. Es ist bereits der zweite Erfolg vor demselben Gericht innerhalb von zwei Tagen: Am vorhergehenden Tag wurde der Börse ein weiterer Betrag von 3.620 US-Dollar (5 Millionen Won) zugesprochen. Zwei weitere Klagen bleiben noch anhängig, mit Forderungen über 10.700 US-Dollar (14,8 Millionen Won) bzw. 362.000 US-Dollar (500 Millionen Won).
- Summe der vier anhängigen Forderungen: rund 517.000 US-Dollar (714 Millionen Won)
- Ein Teil der Klageschriften wurde öffentlich zugestellt
- Die Entscheidung vom Gericht betrifft bislang nur einzelne Rückforderungsansprüche
Marktauswirkungen und Aufarbeitung
Der Fehler führte zu einem kurzfristigen Einbruch des BTC/KRW-Paars um etwa 17 Prozent. Bithumb hob noch am selben Tag die meisten falschen Gutschriften wieder auf und teilte später mit, dass bis zum 10. März rund 99,7 Prozent der betroffenen Bitcoin zurückgewonnen worden seien.
Einige betroffene Trader erhielten eine Entschädigung in Höhe von 110 Prozent, während die Börse versuchte, einige verbliebene Münzen einzufrieren. Die Ereignisse zogen eine heftige regulatorische Reaktion nach sich.
Finanzaufsichtsbehörden in Südkorea leiteten am Folgetag eine Notfallprüfung ein. Die Financial Supervisory Service bewertete die fehlerhaften Gutschriften als mögliche ungerechtfertigte Bereicherung, was Bithumbs Rückforderungsbemühungen stützte. Zudem wurden weitreichende Auflagen für lizenzierte Börsen diskutiert und umgesetzt.
Zu den angeordneten Maßnahmen gehört die Pflicht, Kundenguthaben regelmäßig mit den tatsächlichen Beständen abzugleichen – seither in Intervallen von fünf Minuten. Die Zentralbank, Bank of Korea, erwog zudem Maßnahmen wie einen Markt-„Circuit Breaker“, um extreme Marktstörungen künftig abzufangen.
Der Vorfall und die anschließenden Gerichtsentscheidungen beleuchten die Risiken technischer Fehler in Krypto-Handelsplattformen und die Bedeutung strenger interner Kontrollen sowie schneller regulatorischer Reaktionen.
Berichtet wurde über den Fall unter anderem von CryptoPotato; die zugrundeliegende Berichterstattung nennt die Entwicklungen ohne weitere direkte Zitate einzelner Beteiligter.
